Vor
40 Jahren Trebur verlassen und noch immer
Trebur verbunden?

Diese
Frage könnte man sich stellen, wenn man sich
die Lebensgeschichte von Manfred Mussel
betrachtet. Im Jahr 1940 wurde er in Mainz
geboren und erlebte seine Kindheit in
Trebur. Er gehörte zum ersten Jahrgang, der
in Trebur die Realschule (heutige
Mittelpunktschule) besuchen konnte.
Erfolgreich spielte er Fußball im TSV 05.
Damals begeisterten die Spiele des TSV noch
hunderte von Zuschauern und der TSV war in
der Regionalliga Süd äußerst erfolgreich.
Wie viele andere aus der Region lernte er
bei Opel den Beruf eines Maschinenschlossers
und anschließend Industriekaufmann bei einem
Unternehmen in Frankfurt, was seinen
beruflichen Lebensweg nachhaltig prägte.
Inzwischen hat sich jedoch in seinem Leben
viel verändert. Vor 40 Jahren, im Alter von
27, hatte er Trebur verlassen um nach
Amerika zu gehen. Da er in Detroit ein
berufliches Angebot erhalten hatte, wollte
er Land und Sprache kennen lernen. Wenige
Wochen nach seiner Ankunft in den Staaten
begannen in Detroit gewaltige Unruhen und
Auseinandersetzungen zwischen Schwarzen und
Weißen, die bei seiner Familie in der
Treburer Heimat mit großer Sorge in den
Medien verfolgt wurden. Doch Manfred Mussel
blieb in Detroit.
Eigentlich sollte sein Aufenthalt auf
maximal zwei Jahre begrenzt sein. Doch dann
kam es anders. Er lernte in den USA seine
spätere Ehefrau kennen, deren Großvater aus
Bayern stammte. Nach der Hochzeit kam er
zwar mit seiner Ehefrau für einige Zeit nach
Deutschland zurück. Zuerst lebte er wieder
bei seiner Familie in Trebur, danach in
Neu-Isenburg. Doch dieser Aufenthalt war von
vornherein nur befristet. Nach einem Jahr
ging es zurück nach Amerika. Beruflich war
er dort immer wieder im Bereich der
Autoindustrie oder des Maschinenbaus
beschäftigt, so z.B. bei Chevrolet oder bei
einem Tochterunternehmen der deutschen Firma
Glöckner, die Feinstanzsteile für die
Automobilindustrie produziert. Da er lange
bei deutschen Firmen in den USA beschäftig
war, kam er im Jahr 2002 für einige Monate
beruflich nach Göppingen zu der Firma
Saxonia-Umformtechnik.
Seine beiden Söhne leben auch in den USA.
Der älteste Sohn Christopher war bei Opel
als Praktikant und arbeitet heute als
Fertigungsingenieur in einem Unternehmen in
Connecticut. Er lebt mit seiner Frau und
seiner Tochter, genau wie der jüngere Sohn
Mark, der Pilotenausbilder für die US-Marine
ist, viele Autostunden von ihm entfernt.
Auch bei Manfred Mussel hat sich inzwischen
viel verändert. Er lebt jetzt in Spartanburg
in Süd-Carolina. In dieser Umgebung sind
über 45 deutsche Firmen (wie z.B. BMW)
ansässig. Klimatisch unterscheidet sich
seine neue Heimat deutlich von seiner
Treburer Herkunft. Es gibt zwar alle vier
Jahreszeiten, doch im Sommer ist es sehr
heiß. 35 bis 40 Grad sind keine Seltenheit
im Sommer. Inzwischen ist Manfred Mussel mit
67 Jahren in Rente gegangen. Seine frühere
sportliche Betätigung - Fußball - hat er
gegen Golf eingetauscht. Golf ist in den USA
nicht wie in Deutschland eher eine
"Elitesportart", sondern ein Volkssport.
Erst nach 40 Jahren hat er die amerikanische
Staatsbürgerschaft neben der deutschen
angenommen.
Doch über all diese Zeit sind seine Kontakte
nach Trebur niemals abgebrochen. Immer
wieder war er hier mit seiner Familie zu
Besuch. Seine Schwester lebt noch heute in
Trebur. Doch nicht nur zu seiner Familie
pflegt er viele Kontakte, auch mit seinen
Bekannten, Freunden und ehemaligen
Schulkameraden steht er rege in Verbindung.
Auf die Frage "Gibt es denn etwas, was sie
in den USA vermissen - abgesehen von Ihrer
Familie und den Freunden?" sagte er "Da
vermisse ich vor allem die deutsche
Hausmannskost wie z.B. gute Hausmacher-Wurst
oder auch gutes Brot."
Das my-Trebur-Team bedankt sich für das
nette Gespräch!
(mdrl)

Manfred Mussel mit seiner
Schwester Anita Halama in seiner
neuen Wahl-Heimat in Spartanburg in
Süd-Carolina

Schwester Anita Halama und
Geschäftsfreunde vor seinem Haus in
Spartanburg