|
Das war ein sehr großer Schritt für mich!

Anette Welp
Das war ein sehr großer Schritt für mich, als ich im
Oktober 1998 mit meiner Familie von Köln nach Trebur
„ausgewandert“ bin.
Da ich eine waschechte Kölnerin bin, die nach den 10
Artikeln des Kölschen Grundgesetzes lebt, traten
sogleich Artikel 1 und 2 „Et es wie et es“ und „Et
kütt wie et kütt“ in Kraft. 1. „Sieh den Tatsachen
ins Auge“ und 2. „Habe keine Angst vor der
Zukunft!“.
Gut, das ist nicht immer so einfach – hier greift
Artikel 4 „Wat fott es es fott“ – übersetzt: „Jammer
den Dingen nicht nach!“ Glücklicherweise habe ich in
Trebur einige richtig nette Menschen kennen gelernt,
die mich fühlbar in ihr Herz geschlossen haben (ich
sie natürlich auch!) und mit denen mich inzwischen
doch sehr viel verbindet. Und in Trebur gibt es noch
dieses Stückchen heile Welt, in der noch die
Menschlichkeit gelingt und Anonymität kaum möglich
ist.
Es gibt keine Zufälle, aber glückliche Fügungen, die
den weiteren Weg ebnen können. Mit Texten in zwei
literarischen Ausschreibungen für Frauen im Kreis
Groß-Gerau mit dem Titel „Kopfwirbelseelensturm“
habe ich mich zum ersten Mal im größeren Stil in die
Öffentlichkeit gewagt. Es folgten sechs kleine
Kindergeschichten, eine erste Buchveröffentlichung
„Ex und Hopp. Liebesspiel und Mordeslust“, viele
Lesungen und die zur Zeit laufende Ausstellung „WortMalerei“
im Rathaus Trebur. Wer mich kennt, der weiß, das ich
„den Mund nicht zu und den Stift nicht liegen lassen
kann“. Die Möglichkeit, über Wort und Text wach zu
machen und laut zu werden, das ist es, was ich will.
Im Sommer diesen Jahres wird mein neues Buch „Voll
Weiblich“, in dem das eine oder andere Gedicht aus
der Ausstellung „WortMalerei“ zufinden ist,
erscheinen. Auch das ist wieder eine spannende
Herausforderung.
Eine ebenso glückliche Fügung war mein zweiter
Einstieg ins Berufsleben hier in Trebur. Seit Sommer
2002 arbeite ich im Rathaus Trebur. Nicht nur die
Nähe meines Arbeitsplatzes, sondern vor allem die
Betreuungssituation der Kinder ist mit dem Projekt
KinT sehr vorbildlich. Da ich zwei Kinder habe, weiß
ich diese Entwicklung sehr zu schätzen, ohne die ich
gar nicht so hätte arbeiten können, wie ich es seit
fast vier Jahren tue.
Als Interne Gleichstellungsbeauftragte will ich mich
besonders für die Interessen der Frauen engagieren.
Obwohl es mir bei der Gleichstellungspolitik darum
geht, eine paritätische Beziehung zwischen Mann und
Frau zu erreichen und zu sichern, steht die Frau
immer im Focus. Dabei ist es mir vor allem wichtig,
Frauen an ihre Fähigkeiten zu „erinnern“ und ihnen
immer wieder bewusst zu machen, diese Befähigungen
wie beispielsweise intuitive Stärke – um nur eine
von unendlich vielen zu nennen – einzubringen.
Bildlich gesprochen: Es nutzt uns Frauen nichts, in
ausgelatschte Männerschuh zu treten, um zu
verändern, sondern wir sollten eigene Schuhe
kreieren und in ihnen laufen!
Also, um es kurz zu machen. Nach dem Motto „Et bliev
nix wie et wor“ – salonfähig übersetzt „sei offen
für Neuerungen“ habe ich hier in Trebur Fuß gefasst,
mein neues Zuhause gefunden und möchte heute nicht
mehr von Trebur weg ... und Köln ist ja keine
Weltreise.


Normalerweise verfasst das my-Trebur-Team den
Text des Online Trewwerers. Doch da Anette Welp
selbst Autorin ist, waren wir uns sicher: Sie kann
das mindestens so gut wie wir. Somit haben wir sie
gebeten den Text selbst zu verfassen. |